Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Angewandte Ökonometrie und Politikevaluation

Identifying causal mechanisms in empirical economics          

Die empirische Wirtschaftsforschung befasst sich mit der datenbasierten Evaluation des kausalen Effekts einer sogenannten erklärenden Variablen (z.B. Weiterbildung) auf eine sogenannte Ergebnisvariable (z.B. Arbeitsleistung oder Lohn). Die meisten Studien beschränken sich dabei auf die Analyse des Gesamteffekts der erklärenden Variablen und berücksichtigen nicht, dass dieser durch unterschiedliche kausale Mechanismen begründet sein kann. So könnte z.B. ein positiver Effekt einer Weiterbildung auf die Arbeitsleistung entweder durch ein erhöhtes Humankapital (also die Aneignung von Fachkompetenzen durch die Weiterbildung) oder eine erhöhte Motivation (weil die Weiterbildung als persönliche Wertschätzung empfunden wird) oder durch eine Kombination aus beidem getrieben werden. Humankapital und Motivation bezeichnet man in diesem Zusammenhang als sogenannte Mediatoren: Sie werden selbst von der erklärenden Variable beeinflusst und beeinflussen ihrerseits die Ergebnisvariable, leiten also den Effekt der erklärenden zur Ergebnisvariable „weiter“. 

Die Dekomposition eines Gesamteffekts in verschiedene kausale Mechanismen (Teileffekte, die über unterschiedliche Mediatoren laufen) führt in vielen Fällen zu einem besseren Verständnis ökonomischer Fragestellungen als die ausschliessliche Analyse des Gesamteffekts. Aus diesem Grund befasst sich Prof. Martin Huber im Rahmen des vom Schweizer Nationalfonds mitfinanzierten Projekt “Identifying causal mechanisms in empirical economics“ zusammen mit Forschern der Universitäten St. Gallen und Süddänemark (in Odense)  mit der Weiterentwicklung von Methoden zur Erforschung derartiger kausaler Mechanismen. Dabei steht die Entwicklung benutzerfreundlicher Evaluationsverfahren, die unter einem Mindestmass an statistischen Annahmen eingesetzt werden können (sogenannte nichtparametrische Statistik/Ökonometrie) ebenso im Vordergrund wie deren datenbasierte Anwendung auf Fragestellungen in der Arbeitsmarktforschung.    

So wird zum Beispiel untersucht, (i) ob ein entweder eher fordernder oder eher kooperativer Beratungsstil von Sachbearbeitern in Schweizerischen Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gegenüber den Arbeitssuchenden einen Effekt auf deren Wiederbeschäftigung hat und (ii) ob dieser Effekt durch die  Zuteilung von  Weiterbildungsprogrammen (=Mediator) an Arbeitssuchende getrieben wird. Anders formuliert geht es um die Frage, ob die (von den Sachbearbeitern zugeteilten) Weiterbildungsprogramme einen wichtigen kausalen Mechanismus darstellen, auf den Unterschiede im Wiederbeschäftigungserfolg zwischen Arbeitssuchenden mit fordernden und kooperativeren Sachbearbeitern zumindest teilweise zurückgeführt werden können. Das Projekt, in dem zusätzlich zur Schweiz auch deutsche Arbeitsmarkdaten analysiert werden, läuft noch bis Mitte 2015.

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